Carbon Footprint

letzte Aktualisierung: 25.03.2015, Quelle: co2ncept plus

Der Begriff Carbon Footprint (CO2-Fußabdruck) steht für das Erfassen klimawirksamer Treibhausgase und das Zusammenstellen dieser in einer Treibhausgasbilanz. Ein Carbon Footprint kann sowohl für Länder, Regionen, Unternehmen, Produkte, Dienstleistungen, als auch für private Haushalte erstellt werden.

Die Angabe eines Carbon Footprint erfolgt in CO2-Äquivalenten (CO2e). Ein CO2-Äquivalent entspricht dabei einer emittierten Tonne Kohlenstoffdioxid (CO2). Da bei einer Carbon Footprint Erfassung neben CO2 auch andere klimarelevante Treibhausgase – allen voran Methan (CH4), Distickstoffmonooxid (N20), fluorierte und perfluorierte Kohlenwasserstoffe (FKWs, PFKWs) sowie Schwefelhexafluorid (SF6) – betrachtet werden, eignen sich CO2e als Maßeinheit.

Der Weltklimarat (IPCC) hat feste Werte für Treibhausgase und ihre CO2-Äquivalente veröffentlicht (bezogen auf eine Zeitspanne von 100 Jahren):

  • 1 kg Methan (CH4) hat dieselbe schädliche Wirkung wie 25 kg CO2
  • 1 kg Lachgas (N2O) entspricht 298 kg CO2
  • 1 kg Fluorchlorkohlenwasserstoff (FCKW) entspricht 124-14.800 kg CO2
  • 1 kg Schwefelhexafluorid (SF6) entspricht 22.800 kg CO2




Mit folgender CO2-Umrechnungstabelle können Sie auch die CO2-Äquivalente einer Kilowattstunde Strom oder eines Liter Benzins berechnen.

Corporate Carbon Footprint (CCF) und Product Carbon Footprint (PCF)

Für Unternehmen gibt es zwei unterschiedliche Betrachtungsweisen, eine Treibhausgasbilanz aufzustellen, den Corporate Carbon Footprint (CCF) als unternehmensbezogenen Ansatz und den Product Carbon Footprint (PCF) als produktbezogenen Ansatz.

Corporate Carbon Footprint

Ein Corporate Carbon Footprint bilanziert unternehmenseigene sowie alle relevanten Treibhausgasemissionen, die entlang der Wertschöpfungskette, in der sich das betrachtete Unternehmen befindet, verursacht werden.
Erfolgt im Anschluss an die CCF-Ermittlung eine detaillierte Analyse der aufgestellten Treibhausgasbilanz, können Emissionstreiber ermittelt und darauf basierend gezielte Minderungen von Energie- und Ressourcenverbräuchen realisiert werden. Dies führt zu Kosteneinsparungen, die die Ausgaben für die Reduktionsmaßnahmen oftmals übersteigen. Somit verschafft ein CCF als praxisorientiertes Steuerungsinstrument einen Überblick über das betriebliche Treibhausgasinventar und dient der Verbesserung des betrieblichen Energie- bzw. Ressourcenmanagements.

Handlungsanleitungen

Zur Erhebung des CCF stehen Handlungsanleitungen und Leitfäden zur Verfügung.


In Anlehnung an das Greenhouse Gas Protocol (GHG-Protocol), welches derzeit als etablierteste Handlungsanleitung gilt, wurde die DIN EN ISO 14064 entwickelt, die unter anderem auch Vorschriften zur Verifizierung eines Corporate Carbon Footprint enthält. Für eine einheitliche Erhebung der Emissionen von Logistikunternehmen wurde im März 2013 die DIN EN 16258 veröffentlicht.

Branchenspezifische Standards

Bisher wurden mehrere branchenspezifische Standards zur Treibhausgasbilanzierung auf unternehmerischer Ebene entwickelt, die an das GHG-Protocol anknüpfen.
Im Januar 2013 hat der World Business Council for Sustainable Development (WBCSD) den Sektorleitfaden „Guidance for Accounting & Reporting Corporate GHG Emissions in the Chemical Sector Value Chain” veröffentlicht. Der Leitfaden soll Unternehmen der chemischen Industrie bei der einheitlichen Messung, Buchhaltung und Berichterstattung in Bezug auf Treibhausgasemissionen unterstützen. Weitere das GHG-Protocol ergänzende Branchenstandards (z.B. für den Finanzsektor oder die Bauindustrie) können auf der Website der GHG-Initiative eingesehen werden.


Neben der Zementbranche, werden demnächst auch für weitere Branchen Standards entwickelt, die das GHG-Protocol spezifizieren werden.
In erster Linie sollen die Sektorleitfäden ein einheitlicheres Vorgehen bei der Erfassung und Berichterstattung von Treibhausgasemissionen innerhalb einer Branche ermöglichen. Das GHG-Protocol wurde zwar als branchenübergreifende Anleitung geschaffen, lässt jedoch an einigen Stellen Alternativen und Varianten zu, die den Unternehmen unterschiedliche Vorgehensweisen bei der Treibhausgasbilanzierung ermöglichen.
Vorsicht ist geboten, wenn Stakeholder, vor allem Finanzanalysten, Investoren, Medien und Kunden die in CO2e ausgedrückten Resultate miteinander vergleichen, ohne das Zustandekommen der Bilanz näher zu beleuchten.

Product Carbon Footprint

Ein Product Carbon Footprint bilanziert alle Treibhausgasemissionen – bezogen auf eine definierte Nutzeneinheit – die während des Lebenszyklus eines Produkts entstehen. Dabei werden sämtliche Prozessstufen, von Entwicklung, Herstellung und Transport der Rohstoffe bzw. Vorprodukte über Produktion und Distribution bis hin zur Nutzung, Nachnutzung und Entsorgung, betrachtet. Auch Dienstleistungen können in diesem Sinne als Produkte verstanden werden.
Abhängig von gewählten Systemgrenzen kann auch nur ein Teil des Produktlebenszyklus abgebildet werden: Im B2B-Bereich wird häufig das Emissionsaufkommen der Produktion inklusive der Vorketten (cradle-to-gate) erfasst. Für B2C-Beziehungen werden meist die Emissionsdaten bis zum point-of-sale inklusive der Vorketten und der Produktion summiert.

Handlungsanleitungen

Institutionen wie die Greenhouse Gas (GHG)-Initiative oder die International Organization for Standardization (ISO) haben methodische Empfehlungen zur PCF-Erfassung formuliert. Hierzu zählen der
  • die ISO-Norm 14044er Serie und
  • die sich in der Entwicklung befindende ISO 14067 „Carbon Footprint of Products“.

Im Jahr 2008 hat der Carbon Trust den ersten direkten Standard zur PCF-Ermittlung, die sogenannte "PAS 2050" veröffentlicht. Die PAS 2050 wurde im Jahr 2011 bereits überarbeitet.
Ähnlich wie beim CCF wurden in letzter Zeit für den „Product Life Cycle Accounting and Reporting Standard“ spezifizierende Leitfäden entwickelt, z. B. für den medizinischen Bereich. Diese und weitere Produktstandards können auf den Seiten des GHG-Protocols eingesehen werden.

Wirtschaftliche Beweggründe für eine Carbon Footprint Erfassung

Die Beweggründe, einen Carbon Footprint zu erfassen, variieren meist zwischen „Handeln aufgrund von Wettbewerbsdruck“, „Agieren auf Kundenanfragen“ und „Freiwilligem Erfassen“.
Auf politischer Ebene sind beispielsweise in Großbritannien die großen Unternehmen, die an der London Stock Exchange gelistet sind, seit April 2013 verpflichtet, CO2-Emissionen als Teil ihrer finanziellen Berichterstattung offenzulegen. In Frankreich ist geplant, Logistikunternehmen gesetzlich anzuhalten, Emissionen ihrer Transporte zu veröffentlichen. Die Niederlande, Dänemark, Schweden und Frankreich haben eine verpflichtende Nachhaltigkeitsberichterstattung etabliert. Zudem werden unter anderem in China und Japan Unternehmen dazu verpflichtet, auf den Verpackungen von Produkten, das mit der Herstellung des Produkts verbundene Treibhausgasaufkommen mit Hilfe so genannter „Carbon Labels“ kenntlich zu machen. In Frankreich und der Schweiz existieren ähnliche Initiativen.

Projekt: Treibhausgasbilanzen für Unternehmen

Im Rahmen des Förderprojektes "myccf" von co2ncept plus erstellten dreizehn Unternehmen eigenständig ihren betrieblichen CO2-Fußabdruck. Dazu verwendeten die Betriebe Arbeitsmaterialien wie ein Excel-Tool, CCF-Musterberichte und Emissionsfaktorentabellen. Diese werden interessierten Unternehmen nun zum Download bereitgestellt.


Das Projekt startete am 06. Februar 2014 und wurde am 17. März 2015 mit einer Abschlusskonferenz beendet. Auf der Veranstaltung berichteten die Betriebe über Erfahrungen und Hürden bei der Einführung eines Corporate Carbon Footprint. Außerdem wurden die im Projekt verwendeten Arbeitsmaterialien vorgestellt. Informationen zur Abschlusskonferenz sowie die Präsentationen der einzelnen Vorträge sind auf der Website von co2ncept plus abrufbar.


myccf-Ansprechpartner:
Projektleitung
Isabella Kalisch
Max-Joseph-Straße 5
80333 München
Telefon 089-55 178 446
Email:isabella.kalisch@vbw-bayern.de