Entsorgung von Photovoltaikanlagen: Welche Verwertungswege gibt es für Photovoltaikanlagen?

Antwort von LfU, Jürgen Beckmann

letzte Aktualisierung: 19.09.2011

Allgemein

Seit in den frühen neunziger Jahren die ersten größeren Photovoltaikanlagen installiert wurden, steigt die Stromerzeugung aus Sonnenenergie weiter sehr stark an. Besonders im sonnenreichen Süden Deutschlands sind deshalb zukünftig größere Mengen an Photovoltaikanlagen zu entsorgen. Derzeit ist die Anzahl der zu behandelnden Module zwar noch relativ gering. Dennoch interessieren sich Hersteller, Vertreiber und Betreiber sowie Kommunen, Gewerbe und Privatpersonen zunehmend für geeignete Entsorgungswege der verschiedenen Photovoltaik-Modultechnologien.

Bei Photovoltaikanlagen unterscheidet man im Wesentlichen folgende Technologien:
  • Siliziumbasierte Module (meist polykristallin, aber auch monokristallin und amorph),
  • Module auf Basis von Halbleiterelementen (meistens Cadmiumtellurid, CdTe, in geringerer Zahl auch Kupfer-Indium-Diselenid, CIS oder Kupfer-Indium-Gallium-Diselenid, CIGS) sowie
  • eine Vielzahl weiterer neuer Technologien
Siliziumbasierte Photovoltaikmodule dominieren den Markt, wobei der Anteil der Dünnschicht-Module stark zunimmt. Die weiteren neuen Technologien haben derzeit noch keinen relevanten Marktanteil.

Photovoltaik-Anlagen unterliegen derzeit, abgesehen von solarbetriebenen Elektro- und Elektronikgeräten (z.B. Solartaschenrechnern) nicht den Bestimmungen des Elektro- und Elektronikgerätegesetzes (ElektroG). Allerdings wird aktuell auf europäischer Ebene über eine Neuregelung zur Photovoltaik-Technologie diskutiert.

Hinweis

Um die unterschiedlichen Techniken zur Ausnutzung der Sonnenenergie sprachlich zu unterscheiden, spricht man bei Anlagen, die der Stromerzeugung dienen von Photovoltaikanlagen. Anlagen, die der Erwärmung von Wasser dienen, werden dagegen als solarthermische Anlagen oder Sonnenkollektoren bezeichnet.

Erfassung und Entsorgung

Erster Ansprechpartner bei der Entsorgung von Photovoltaikanlagen kann der Installationsbetrieb der Photovoltaikanlage sein. Dieser kann die gebrauchten/defekten Photovoltaikmodule zurücknehmen und diese an den Hersteller zurückgeben.

Um ihrer Herstellerverantwortung nachzukommen und zur Vorbereitung auf die zukünftigen Entsorgungsstrategien haben europäische Unternehmen (Hersteller und Verbände) der Photovoltaikindustrie eine Dachorganisation (PV CYCLE) gegründet. Ziel von PV CYCLE ist der Aufbau eines freiwilligen Rücknahme- und Recycling-Programms für Photovoltaik-Altmodule. Eigentümer, Installateure und Vertreiber von PV-Modulen sollen über den verfügbaren Rücknahme- und Recycling-Prozess informieren werden, um dadurch die Rücknahme von Altmodulen zu maximieren.
Weitere Information finden Sie hier:


Bei Eingabe von Standort oder Postleitzahl kann man online die nächst gelegene Sammelstelle abfragen, an der eine kostenlose Abgabe von PV-Altmodulen möglich ist (s. "Collection points"). Die Anzahl dieser von PV Cycle zertifizierten Sammelstellen nimmt ständig zu. Es können sämtliche Modultypen abgeben werden. Beim Rückbau größerer Photovoltaik-Anlagen wird eine direkte Kontaktaufnahme mit PV Cycle empfohlen.

Interessierte Unternehmen (z.B. Hersteller, Vertreiber, Installationsbetriebe, Logistikunternehmen, Abfallbehandlungsanlagenbetreiber) können sich ebenfalls als PV Cycle Sammelstelle registrieren lassen.
Dies gilt auch für öffentlich-rechtliche Entsorgungsträger zur Annahme von Photovoltaikmodule/-Anlagen an den kommunalen Wertstoff-/Recyclinghöfen bzw. bei den Deponien.

Grundsätzlich sollten PV-Altmodule so erfasst werden, dass eine anschließende Behandlung erfolgen kann, bei der möglichst alle Materialfraktionen (Glas, Metalle, Silizium, Halbleiter) verwertet werden können. Dafür sind eine schonende Demontage der Photovoltaik-Module bzw. -Anlagen und eine gute Transport-Verpackung für eine möglichst zerstörungsfreie Anlieferung wichtig.
Es wird empfohlen, im konkreten Einzelfall beim jeweiligen Hersteller nachzufragen.

Die Entsorgung von Photovoltaikmodulen auf Deponien ist in Einzelfällen (z.B. bei Brandschäden) möglich (Glasanteil ca. 60-75% je nach Modultyp). Notwendig sind allerdings Informationen über die Zusammensetzung der jeweiligen Module, z.B. durch eine Beschreibung oder Untersuchung des Herstellers. Eine abschließende Bewertung kann erst nach einer Überprüfung, z.B. durch das LfU erfolgen.

Auch kleinere Mengen an Photovoltaik-Modulen können an den Sammelstellen von PV Cycle kostenlos abgeben werden. Bei längeren Transportwegen empfehlen wir, sich an einen Installationsbetrieb vor Ort zu wenden.

Behandlungsanlagen

Derzeit sind uns europaweit zwei (Pilot-)Behandlungsanlagen für Photovoltaikanlagen bekannt, die Altmodule zur Verwertung annehmen und recyceln. Dabei können Recyclingraten von über 90 % erreicht werden. Weitere Behandlungsanlagen befinden sich derzeit noch in verschiedenen Entwicklungsphasen.

Durch das Recycling werden Sekundärrohstoffe erzeugt, wertvolle Ressourcen geschont sowie Abfälle vermieden. Gleichzeitig wird viel Energie bei der Neuproduktion der Solarmodule eingespart, was sich positiv auf die gesamte Energie- und Ökobilanz der PV-Technologie auswirkt.

Siliziumbasierte Module

Siliziumbasierte Module sollten bei der Behandlungsanlage der Sunicon AG (SolarWorld AG) behandelt werden: Sunicon bietet als herstellerübergreifende Lösung eine Möglichkeit zum werterhaltenden Recycling aller handelsüblichen kristallinen PV-Module an. Recycelt werden defekte Module aller Bauarten und Größen. Weitere Information finden Sie unter:


SUNICON AG
Geschäftsbereich SolarMaterial
Alfred-Lange-Strasse 15
D-09599 Freiberg/Sachsen
Germany
Kontakt: Dr. Karsten Wambach
Tel.: 0 37 31 / 301 - 39 00
E-Mail: karsten.wambach@sunicon.de

Dünnschichtmodule

First Solar bietet für die eigenen Photovolatik-Dünnschichtmodule ein eigenes Rücknahmesystem an. Jeder, der im Besitz eines First Solar PV Moduls ist, kann am Recyclingprogramm teilnehmen. First Solar zahlt alle Verpackungs-, Transport- und Recyclingkosten. Der Endbenutzer ist lediglich für die Demontage und Verpackung der Module gemäß den Anweisungen von First Solar verantwortlich.
Weitere Information finden Sie unter:


First Solar GmbH
Rheinstrasse 4B
D-55116 Mainz, Deutschland
Tel: 06131 1443-0 oder +800.433.32.333 (internationale kostenlose Servicenummer)
E-Mail: recycling@firstsolar.com