Vogelschlag an Glasscheiben

letzte Aktualisierung: 02.02.2011, Quelle: LfU, Bernd-Ulrich Rudolph

Hintergrund

Glasfassaden an Gebäuden bergen immer die Gefahr von Vogelschlag. Täglich kommen Vögel beim Aufprall an Glasflächen durch Hirnblutungen oder Genickbruch ums Leben. Vögel, die zunächst überleben, sind oftmals traumatisiert, erleiden Energieverluste oder innere Blutungen und sterben kurze Zeit später abseits des Unfallorts.

Wir informieren Sie hier über die Beobachtungen des Vogelschlags an unserem eigenen LfU-Gebäude und über mögliche Lösungsansätze.

Ursachen für den Vogelschlag

Vögel nehmen transparente Glasscheiben, z.B. an verglasten Gängen, Balkonen, Wintergärten, Wartehäuschen an Haltestellen oder Lärmschutzwänden, nicht als Hindernis wahr. Sie erkennen häufig auch Glasflächen, die die Landschaft oder den Himmel spiegeln, nicht oder zu spät als Hindernisse.

Beobachtungen am LfU

Das Gebäude des Bayerischen Landesamtes für Umwelt im Süden Augsburgs ist ein moderner, von Glasfassaden geprägter Bau. Bereits kurz nach Bezug des Gebäudes 1999 wurde klar, dass Vogelschlag auch hier ein Problem darstellt. Daher wurde der Vogelschlag zwei Jahre lang systematisch beobachtet, um die Größenordnung am LfU zu bestimmen, mögliche Brennpunkte zu erfassen und daraus Maßnahmen zur Vermeidung abzuleiten.

Die Beobachtungen im Einzelnen:

  • Artenspektrum und Anzahl:

    Etwa 150 Vögel von 35 Arten wurden seit der Einweihung des LfU Opfer des Vogelschlages. Der überwiegende Teil davon (88 %) verunglückte tödlich. Dabei ist allerdings von einer hohen Dunkelziffer auszugehen, da die verunglückten Kleinvögel häufig rasch von Krähen, Katzen oder Mardern entdeckt und entfernt werden.
    Vier Arten, nämlich Stieglitz, Rebhuhn, Kohl- und Tannenmeise, sind überproportional häufig vertreten. Kohlmeise, Stieglitz und Rebhuhn sind Brutvögel und Nahrungsgäste, die in unmittelbarer Nähe des LfU fast ganzjährig vorkommen und die meiste Zeit truppweise leben. Ihr Anflugrisiko ist daher relativ hoch. Die Tannenmeise dagegen erreicht das LfU nur während der Zugzeiten, da ihre Brut- und Nahrungshabitate im Nadelwald liegen.
  • Jahreszeitliche Schwankungen:

    Vor allem im Herbst und Frühjahr erfolgten vermehrt Fensteranflüge, genau zu den Hauptzugzeiten vieler Kleinvögel.
  • Kritische Gebäudeteile:

    Betroffen sind vor allem verglaste Übergänge, die eine Durchsicht erlauben sowie Gebäudeteile, die quer zur Zugrichtung der Vögel liegen, also vor allem die großflächigen Glasfronten an den Stirnseiten der in West-Ost-Richtung ausgerichteten Flügel.


Lösungsansätze

Als Lösungsansätze kommen alle Maßnahmen in Frage, die die Glasscheiben für Vögel erkennbarer machen. Dabei ist es u. a. von Vorteil, dass Vögel ein anderes Farbenspektrum, nämlich UV-Licht, wahrnehmen als Menschen. Ein Großteil der Kollisionen von Vögeln mit Glasscheiben ist vermeidbar. Am besten ist es, bereits im Planungsstadium eines Gebäudes das Problem des Vogelschlages einzubeziehen. Dann gilt insbesondere, Durchsichten und Spiegelungen zu vermeiden. Als Lösungsansätze kommen alle Maßnahmen in Frage, welche die Glasscheiben für Vögel erkennbarer machen. Dazu zählen:
  • Greifvogel-Silhouetten

    Diese haben per se keine abschreckende Wirkung auf die Vögel, stellen sich für die Vögel aber als Hindernisse dar. Um auf diese Weise Vogelschlag wirksam zu verhindern, müssen sie jedoch relativ dicht geklebt werden. Für großflächige Glasfassaden sind Greifvogel-Silhouetten als Abwehrmaßnahme unzureichend, für Wartehäuschen an Haltestellen, Wintergärten oder Glasscheiben an Balkonen erscheinen sie besser geeignet.
  • Streifenmuster

    Streifenmuster aus farbiger Folie oder eingefräst an Scheiben mit Durchsicht auf dahinter liegende Landschaft (z.B. an Lärmschutzwänden, Wartehäuschen an Haltestellen oder anderen Verglasungen außerhalb von Wohn- und Arbeitsbereichen) dienen der Untergliederung der großen Fensterflächen, die somit von den Vögeln als flächiges Hindernis wahrgenommen werden. Eine Markierung in Form von vertikalen Streifen von 2 cm Breite in 10 cm Abstand (oder 1 cm Breite in 5 cm Abstand) verhinderte in Tests am effektivsten die Kollisionen.
  • Aufhebung der Durchsicht

    Verwendung von mattierten oder strukturierten Scheiben, die keine Spiegelung zulassen.
  • Spinnennetzeffekt

    Viele Vogelarten sind für UV-Licht empfindlich. So werden Spinnennetze von Vögeln normalerweise erkannt und umflogen, weil sie UV-Licht absorbieren. Diese Eigenschaft versucht man auf Glasflächen zu übertragen - eine neuartige Möglichkeit zur signifikanten Verringerung von Vogelschlag. Folgende Varianten sind mittlerweile auf dem Markt und ihre Wirksamkeit auch wissenschaftlich belegt:
    • Vogelschutzglas Ornilux: Ornilux ist ein modernes Zwei- oder Dreischeiben-Isolierglas, das in allen Fenstern und Fassaden wie ein modernes Wärmedämmglas eingesetzt werden kann. Es wurde bereits mehrfach ausgezeichnet und ist beispielsweise im Naturinformationszentrum im Karwendelgebirge im Einsatz.
    • Birdpen, Birdsticker: Nachträglich mit einer Art Markierungsstift aufgebrachte Streifen- bzw. Folienmuster, die für den Menschen nahezu unsichtbar sind und die Durchsicht durch die Scheiben nicht beeinträchtigen, werden von den Vögeln wahrgenommen. Sie sind witterungsbeständig, behindern die Scheibenreinigung nicht und können auch leicht wieder entfernt werden.

    • UV-absorbierende Folien (Sonnenschutz-oder Splitterschutzfolie), die in Mustern auf die Fensterflächen aufgebracht werden, hätten zur Folge, dass der UV-Anteil des Lichts, den Vögel im Gegensatz zum Menschen optisch wahrnehmen klönnen, nicht mehr reflektiert wird und somit für Vögel an dieser Stelle ein bunter Fleck entsteht, dem sie ausweichen würden.

  • Auf Fensterputzen so lang wie möglich verzichten

    Staub und Schmutz absorbieren ebenfalls UV-Licht und erzielen so einen ähnlichen Effekt. Generell sollten die Fenster von Bürogebäuden nicht öfters als einmal und möglichst früh im Jahr geputzt werden, damit sich bis zur Hauptzugzeit der Vögel von August bis November ein Sch(m)utzfilm gelegt hat. Für diejenigen, die in den Büros arbeiten, entsteht dadurch erfahrungsgemäß keine Beeinträchtigung. Am LfU hat man aus diesem Grund den Zyklus der Fensterreinigungen von ursprünglich zweimal jährlich auf einmal in 1 bis 1,5 Jahren erweitert, was zusätzlich den Vorteil von erheblichen Kosteneinsparungen mit sich brachte.
  • Feinmaschige Netze vor den Glasflächen anbringen

    Dadurch werden die Fenster für die Vögel erkennbar. Allerdings kann damit eine optische Beeinträchtigung der Fassade bzw. eine Störung für die Mitarbeiter einher gehen. Für Bürogebäude prinzipiell geeignet, u. U. auch als zeitlich befristete Maßnahme.
  • Bauseits Verwendung entspiegelter Fenster

    Werden vorbeugend entspiegelte Glasscheiben eingebaut, lassen sich Vögel auch nicht durch Landschaftsspiegelungen täuschen.
  • Gestaltung der Umgebung für Vögel möglichst unattraktiv

    Baumbestand vor großen Fensterflächen vermeiden: Dadurch wird die direkte Umgebung von Gebäuden für Vögel uninteressant, denn häufig rasten Vögel in diesen Gehölzen und verunglücken kurz nach dem Auffliegen an Scheiben.
  • Grünflächen um Gebäude bereits im Spätsommer mähen

    Bei Gebäuden, die von naturnahen Grünflächen, also keinen Rasenflächen, sondern Wiesen umgeben sind, die zweite Mahd im Sommer anstatt im Herbst oder Winter durchführen. Dies verhindert, dass im Herbst und Winter ein nennenswerter Aufwuchs an Kräutern vorhanden ist, der eine Anziehungskraft auf Nahrung suchende Kleinvögel wie den Stieglitz ausübt.