Ökobilanzen

letzte Aktualisierung: 30.06.2017, Quelle: LfU, UBA, BMU

Was ist eine Ökobilanz?

Eine Ökobilanz ist das Umweltprotokoll eines Produktes, eines Prozesses, einer Dienstleistung oder eines gesamten Unternehmens. Sie fasst die jeweiligen Auswirkungen auf die Umwelt zusammen und bewertet sie.

Man kann Ökobilanzen in allen Branchen erstellen

  • für einzelne Bereiche und Produkte,
  • für einen gesamten Betrieb oder
  • als vergleichende Ökobilanzen

Ökobilanzen für Produkte


(LCA- Life Cycle Assessment) betrachten den gesamten Lebensweg eines Produktes. Sie erfassen die Umweltauswirkungen von der Wiege bis zur Bahre - also von der Herstellung über die Nutzung bis zur Entsorgung des Produktes. In jeder Lebensphase werden die Stoff- und Energieströme analysiert. Auch die Rohstoffgewinnung, die Herstellung der Vorprodukte, teilweise sogar der Hilfs- und Betriebsstoffe, die Energieerzeugung sowie alle Transporte fließen in die Berechnung mit ein.

Ökobilanzen für Betriebe

befassen sich mit den Umweltauswirkungen des gesamten Unternehmens.

Vergleichende Ökobilanzen

sind der Regelfall, d.h. es werden Produkte, Prozesse oder Dienstleistungen mit demselben Zweck oder derselben Funktion hinsichtlich ihrer Wirkungen auf die Umwelt verglichen.
Beispiele:
Ökobilanz für Getränkeverpackungen (für Produkte)
Ökobilanz Verwertungswege für Altöl (für Verfahrensprozesse)

Was kann eine Ökobilanz leisten?

Ökobilanzen haben mehrere Funktionen:

  • Sie können Potenziale für einen effizienteren Einsatz von Rohstoffen und Energie und eine Verringerung der Umweltbelastungen durch Schadstoffausstoß und Abfälle aufzeigen.
  • Sie können als Grundlage für umweltbezogene Vergleiche, Entscheidungen und Zielsetzungen dienen.
  • Sie können zur Entwicklung von umweltverträglicheren Produkten genutzt werden.
  • Sie können auch für das Marketing von Unternehmen verwendet werden, indem die Unternehmen durch eine Ökobilanz die Umweltverträglichkeit ihrer Produkte bewerten und mit den Ergebnissen werben.

Die Ökobilanz wird ausschließlich unter dem Gesichtspunkt des Umweltschutzes erstellt. Daher können die Ergebnisse von Ökobilanzen nur ein Aspekt in Entscheidungsprozessen im Unternehmen sein. Sie müssen mit ökonomischen und sozialen Faktoren ergänzt werden.

Unternehmen, die selbst keine Ökobilanzen erstellen wollen, können Informationen aus veröffentlichten Ökobilanzen für ihren eigenen Produktentwicklungsprozess nutzen.

Normen für die Aufstellung von Ökobilanzen

Die Methode der Ökobilanzierung ist eine standardisierte Methode, mit der die mit einem Produkt, einem Verfahren oder einer Dienstleistung verknüpften Umweltlasten ganzheitlich erfasst, quantifiziert und im Zusammenhang der gegebenen Fragestellung auswertet werden. Unter ganzheitlicher Betrachtung wird dabei die Berücksichtigung aller vor- und nachgelagerten Prozessschritte verstanden (Striegel, 2000). Wie eine solche Ökobilanz zu erstellen ist, wird in den Normen DIN EN ISO 14040 und DIN EN ISO 14044 beschrieben.

Aufbau einer Ökobilanz

Eine Ökobilanz entsteht aus vier Schritten:

  1. Schritt: Festlegung von Ziel und Untersuchungsrahmen
  2. Welche Produkte werden unter welchen Randbedingungen verglichen?
  3. Schritt: Sachbilanz
    Welche Stoff- und Energieströme fallen an und wie groß sind sie?
    • entlang des Lebensweges eines Produktes (Produktbilanz),
    • während eines Prozesses (Prozessbilanz),
    • im gesamten Unternehmen (Betriebsbilanz) oder
    • bei einzelnen und dauerhaften Umweltauswirkungen (Substanzbetrachtung)
  4. Schritt: Wirkungsabschätzung
  5. Wie werden die Sachbilanzergebnisse hinsichtlich ihrer Umweltauswirkungen ( z.B. Treibhauseffekt, Eutrophierung, Versauerung) beurteilt?
  6. Schritt: Auswertung
  7. Wie werden die Ergebnisse aus Sachbilanz und Wirkungsabschätzung bewertet?

Wichtig:


Die Auswertung soll transparent und nachvollziehbar nach einer vorher festgelegten Methode erfolgen, um subjektive Interpretationen zu vermeiden. Daraus lassen sich dann Schlussfolgerungen und konkrete Handlungsmöglichkeiten ableiten.


Das Umweltbundesamt hat eine Bewertungsmethode entwickelt, die auf einer Rangfolge der unterschiedlichen Umweltauswirkungen basiert. Das Ranking richtet sich danach, in welchem Maße eine Umweltauswirkung als umweltschädigend eingeschätzt wird. Es wird also vorab festgelegt, ob beispielsweise der Energieverbrauch eines Produktes schwerer wiegt, als sein Beitrag zur Versauerung des Bodens. Dadurch wird die Bewertung der Ergebnisse aus Sachbilanz und Wirkungsabschätzung erleichtert.


Für die Veröffentlichung einer Ökobilanz nach ISO 14040 ist eine kritische Prüfung durch unabhängige Experten erforderlich. In Deutschland werden Ökobilanzen daher von einem Fach- und Projektbeirat, der aus den betroffenen und interessierten Kreisen zusammengesetzt ist, und einem unabhängigen Expertenbeirat begleitet.