Betrieblicher Umweltschutz in Bayern - Gewusst wie!
 

Recyclingbaustoff Beton und dessen Verwertung: Wie soll man Betonabbruch abfallwirtschaftlich bewerten, wenn dieser fast vollständig schadstoffrei (LAGA Z 0/Z 1.1 bzw. RW 1) ist, aber im Eluat eine zum Teil stark erhöhte elektrische Leitfähigkeit aufweist?

Wie soll man Betonabbruch abfallwirtschaftlich bewerten, wenn dieser fast vollständig schadstoffrei (LAGA Z 0/Z 1.1 bzw. RW 1) ist, aber im Eluat eine zum Teil stark erhöhte elektrische Leitfähigkeit aufweist?

Erläuterung:
Hintergrund dabei ist die Probenahme baubegleitend zu Abbruchmaßnahmen. Die frische genommene, zerkleinerte (Baggermeißel, Hammer) Betonprobe wird dann im Labor nochmals für die Eluatherstellung gebrochen. Die festgestellte elektrische Leitfähigkeit liegt dann zum Teil deutlich über den LAGA Z 2 Werten. Bei Nachuntersuchungen, z.B. nach 24 Stunden, fällt die elektrische Leitfähigkeit meist stark ab.

Zwei Beispiele:

  • Beton 1: elektrische Leitfähigkeit im Eluat: 5570 µS/cm, nach 24 Stunden im Eluat: 3565 µS/cm
  • Beton 2: elektrische Leitfähigkeit im Eluat: 1620 µS/cm, nach 24 Stunden im Eluat: 493 µS/cm
Inwieweit ist das Abfallen der elektrischen Leitfähigkeit nach z.B. 24 Stunden charakteristisch? Ist von einem weiteren Abfallen der elektrischen Leitfähigkeit (Beispiel Beton 1) nach mehreren Tagen/Wochen auszugehen, so dass dieser als RW 1 oder LAGA Z 1.1-Material bewertet werden kann?

Antwort von LfU, Frank Schmeling Braz

letzte Aktualisierung: 16.12.2008

Leitfähigkeit im Eluat

Die Beobachtung, dass frisch gebrochener Beton im Eluat eine höhere Leitfähigkeit aufweist als nach längerer Lagerung, ist bekannt. Ähnliches Verhalten zeigen auch Aschen aus Müllverbrennungsanlagen sowie Elektroofen- und Stahlwerksschlacken. Die durch das Brechen entstehenden frischen Bruchflächen enthalten freien Kalk und vergleichbare Erdalkaliverbindungen, die zu einer hohen Leitfähigkeit im Eluat führen. Während der Lagerung finden Absorptionsvorgänge statt. Das aus der Luft aufgenommene Kohlendioxid führt zur Bildung von schwerer löslichen Alkali- und Erdalkalicarbonaten, die zu einer geringeren Leitfähigkeit im Eluat der Probe führen. Diese Absorptionsvorgänge können im Labor durch Begasen mit Kohlendioxid simuliert werden. Zur Unterstützung oder Beschleunigung der Vorgänge könnte eventuell auch Wasser notwendig sein, wie dies bei Schlacken der Fall ist.

Folgen für die Verwertung

Das Material sollte in dem Zustand beprobt werden, wie es eingebaut wird. Wenn es also nicht direkt nach dem Brechen beispielsweise in technischen Bauwerken verwertet oder in Gruben und Brüchen verfüllt wird, ist eine Beprobung unmittelbar nach dem Brechen nicht zwingend. Hier kann durchaus der Alterungsprozess abgewartet werden.

Für den Fall einer Recyclinganlage oder der wiederholten Zwischenlagerung am gleichen Ort wäre zu prüfen, ob die Flächen, auf denen das Material lagert, befestigt sind und das Sickerwasser ordnungsgemäß abgeleitet wird. Eine Abdeckung des Materials könnte einen Sickerwasseraustrag verhindern, sich aber eventuell negativ auf die Alterung auswirken. Die Alterung der genannten Schlacken wird in der Regel durch eine Befeuchtung beschleunigt.

Beteiligung der Behörden

Im Einzelfall ist mit der zuständigen Kreisverwaltungsbehörde, die das Wasserwirtschaftsamt zur fachlichen Beratung hinzuziehen kann, zu klären, unter welchen Voraussetzungen eine Zwischenlagerung durchgeführt werden kann.

Unterschiedliche Verwertungsmöglichkeiten für Beton

Beton sollte bevorzugt in technischen Bauwerken verwertet werden, um seine werkstofflichen Eigenschaften zu nutzen und Ressourcen zu schonen. Erst wenn keine derartige Verwertungsmöglichkeit gefunden wird, sollte er zur Verfüllung von Gruben und Brüchen verwendet werden.